Krankentaggeldversicherung Schweiz: Lohn statt Arztrechnung
Arzt- und Spitalkosten laufen über die obligatorische Grundversicherung nach KVG, bei Bedarf ergänzt durch Zusatzversicherungen. Die Krankentaggeldversicherung Schweiz beantwortet eine andere Frage: Was passiert mit dem Einkommen, wenn man über Wochen oder Monate nicht arbeiten kann?
Laut Bundesamt für Gesundheit deckt die freiwillige Taggeldversicherung den vorübergehenden Lohnausfall bei voller oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit, Mutterschaft oder Unfall. Im Alltag spricht man auch von Taggeldversicherung oder Erwerbsausfallversicherung.
Für die meisten Personen ist sie freiwillig. Viele Angestellte sind trotzdem versichert, weil der Arbeitgeber eine Lösung für die ganze Belegschaft abgeschlossen hat. Selbstständige müssen sich selbst darum kümmern. Die Krankentaggeldversicherung Schweiz sollte deshalb vor dem Krankheitsfall geklärt werden, weil spätere Gesundheitsfragen den Abschluss erschweren können.
KVG oder VVG: zwei Arten von Taggeldversicherung
Das BAG hält fest, dass die Versicherung in zwei Formen existiert: als Sozialversicherung nach KVG oder als privatrechtlicher Vertrag nach VVG. Der Unterschied betrifft Aufnahme, Vorbehalte, Höhe und Dauer.
Nach KVG kann sich jede Person mit Wohnsitz oder Arbeitsort in der Schweiz im Alter von 15 bis 65 Jahren bei einem KVG-Versicherer versichern. Im VVG gilt Vertragsfreiheit: Der Versicherer muss niemanden aufnehmen, und Höhe sowie Dauer werden frei vereinbart.
Das BAG erwähnt zudem, dass im KVG kein Mindestbetrag vorgeschrieben ist und die Taggelder dort oft tief ausfallen, weshalb die meisten Versicherten das VVG wählen. Eine Krankentaggeldversicherung Schweiz der Krankenkasse kann also dem einen oder dem anderen Regime unterstehen; der Vertrag muss dies ausweisen.
Angestellte: Lohnfortzahlung und Kollektivlösung des Arbeitgebers
Das Obligationenrecht verpflichtet den Arbeitgeber, bei Krankheit den Lohn für eine beschränkte Zeit weiterzuzahlen. Laut Mobiliar beträgt die Dauer im ersten Dienstjahr mindestens drei Wochen und richtet sich danach nach der Zürcher, Basler oder Berner Skala, je nach Kanton des Gerichtsstands.
Damit eine lange Krankheit keine Lücke reisst, schliessen viele Firmen ein Kollektivtaggeld ab. Es ersetzt die gesetzliche Pflicht, wenn es gleichwertig ist: Mobiliar nennt als Beispiel 80 Prozent des Lohnes während 720 von 900 Tagen, mindestens die Hälfte der Prämien zulasten des Arbeitgebers und höchstens drei Karenztage.
Welche Lösung im Betrieb gilt, steht im Arbeitsvertrag, im Personalreglement oder auf dem Versicherungsausweis. Prozentsatz, Wartefrist und Höchstdauer sollten Angestellte dort finden. Wer bei einem Arbeitgeber ohne Gruppenlösung angestellt ist, prüft zusätzlich, ob eine individuelle Erwerbsausfallversicherung sinnvoll sein könnte.
Krankentaggeld Selbstständige: ohne Arbeitgeber kein Lohn
Wer selbstständig arbeitet, bekommt von niemandem einen Lohn weitergezahlt; ohne Versicherung bedeutet Arbeitsunfähigkeit sofort Einkommensverlust. Helsana hält bei ihrem Produkt SALARIA fest, dass Selbstständige bei Erwerbsausfall keine Entschädigung erhalten.
SALARIA richtet sich laut Versicherer an Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, die bei Vertragsbeginn mindestens 16 Jahre alt sind, das AHV-Alter noch nicht erreicht haben, ein Erwerbseinkommen erzielen und nicht arbeitslos sind. Die Aufnahme setzt eine Risikoprüfung aufgrund der Gesundheitserklärung voraus. Das Produkt dient hier nur als Beispiel; andere Anbieter haben eigene Angebote.
Für Krankentaggeld Selbstständige empfiehlt Zurich auf ihrer Website auch eine Kollektivlösung. Wichtig bleibt, den Schutz an den eigenen Fixkosten zu messen: Miete, Sozialabgaben und laufende Rückzahlungen. Auch die Krankentaggeldversicherung Schweiz für Selbstständige verlangt eine Abwägung zwischen Prämie und Absicherung.
Wartefrist Taggeld: der Wahlentscheid mit Preisfolge
Die Wartefrist ist die Zeit ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit, in der noch kein Taggeld fliesst. Je länger sie dauert, desto tiefer fällt die Prämie in der Regel aus, desto mehr eigene Reserven braucht man aber bis zur ersten Zahlung.
Bei Helsana lässt sich die Wartefrist von SALARIA aus 3, 7, 14, 21, 30, 60, 90, 120, 150, 180, 240, 270 oder 360 Tagen wählen; bei einer Wartefrist von 180 Tagen erfolgt die erste Zahlung nach Ablauf dieser Zeit. Zurich nennt bei Firmenlösungen mögliche Wartefristen von 7, 14, 30, 60 oder 90 Tagen.
Bei Angestellten wird die Wartefrist Taggeld mit der Lohnfortzahlung des Arbeitgebers abgestimmt. Bei Selbstständigen richtet sie sich nach den verfügbaren Reserven: Wer drei Monate überbrücken kann, kann keine Wartefrist von sechs Monaten wählen.
Höhe, Dauer und Berechnung des Krankentaggelds
Bei der Krankentaggeldversicherung Schweiz sind meist 80 Prozent des Lohnes versichert, nach Zurich gelegentlich 90 oder 100 Prozent. Basis ist der AHV-pflichtige Lohn vor Krankheitsbeginn; bei einem Jahreslohn von 100 000 Franken und 80 Prozent Deckung nennt Zurich ein Taggeld von rund 219 Franken.
Üblich sind 720 bis 730 Tage innerhalb von 900 aufeinanderfolgenden Tagen, also etwa zwei Jahre, laut Mobiliar; Police und Arbeitsvertrag legen die genaue Zahl fest. Im KVG müssen die Taggelder gemäss BAG bei 50 Prozent Arbeitsunfähigkeit während mindestens 720 Tagen innerhalb von 900 Tagen ausgerichtet werden.
Für SALARIA gibt Helsana ein frei gewähltes Taggeld zwischen 10 und 600 Franken an, höchstens 18 000 Franken pro Monat, anteilsmässig ab 25 Prozent Arbeitsunfähigkeit und gegen ärztliche Bestätigung. Diese Zahlen gelten nur für dieses Produkt. Nach Vertragsende können je nach Versicherungsbedingungen Leistungen weiterlaufen.
Vertragsdauer, Kündigung und Prämienerhöhung beim Taggeld
Auch die Laufzeit gehört zu den Vergleichspunkten. Bei SALARIA beträgt die Mindestdauer ein Jahr mit automatischer Verlängerung. Gekündigt werden kann gemäss Helsana auf den 31. Dezember mit drei Monaten Frist, die Kündigung muss spätestens am letzten Arbeitstag im September eintreffen.
Erhöht der Versicherer die Prämie, gilt eine kürzere Frist: Die Kündigung muss laut Helsana innerhalb eines Monats erfolgen und spätestens am letzten Arbeitstag im November eintreffen. Andere Versicherer können andere Fristen vorsehen; sie stehen in den jeweiligen Vertragsbedingungen und in den Mitteilungen zur Prämienanpassung.
Wer eine Taggeldversicherung kündigt, sollte nie ohne Ersatz dastehen. Wegen allfälliger Gesundheitsvorbehalte und der Risikoprüfung bei einem neuen Vertrag empfiehlt es sich, den Entscheid des neuen Versicherers abzuwarten und erst dann zu kündigen.
Gesundheitsvorbehalte, Arbeitslosigkeit und Kassenwechsel
Vorbehalte für bestehende Leiden folgen nicht denselben Regeln. Das BAG schreibt, dass sie im KVG nach fünf Jahren dahinfallen; im VVG können sie zeitlich unbegrenzt gelten, und einzelne Krankheitsrisiken lassen sich ausschliessen.
Wird der Versichererwechsel durch Beginn oder Ende eines Arbeitsverhältnisses erzwungen, darf der neue KVG-Versicherer keine neuen Vorbehalte anbringen. Für Arbeitslose sieht das KVG halbe Taggelder ab 25 Prozent und volle Taggelder ab 50 Prozent Arbeitsunfähigkeit vor, ausserdem einen möglichen Wechsel in eine Versicherung mit Leistungen ab dem 31. Tag.
Im VVG garantiert das Gesetz dagegen weder den freien Übertritt noch den Wechsel von der Kollektiv- in die Einzelversicherung. Beim Taggeld zählt daher der Vertragstext mehr als der Ruf des Versicherers.
Worauf man in den Bedingungen einer Taggeldversicherung achtet
Die Allgemeinen Versicherungsbedingungen sind lang, doch wenige Punkte genügen, um zwei Verträge zu vergleichen.
- Rechtsgrundlage: Sozialversicherung nach KVG oder Vertrag nach VVG.
- Versicherter Prozentsatz des Einkommens und Obergrenze des versicherten Lohnes.
- Wartefrist, Höchstdauer und Referenzperiode der Leistungen.
- Grad der Arbeitsunfähigkeit, ab dem ein Taggeld fliesst.
- Gesundheitsvorbehalte, Ausschlüsse und Recht auf Wechsel des Versicherers.
