Krankenzusatzversicherung kündigen: Es zählt der Vertrag, nicht der Kalender
Eine Zusatzversicherung lässt sich nicht wie die Grundversicherung wechseln. Sie beruht auf einem privaten Vertrag, und massgebend sind die Daten in Ihrer Police und in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen. Die FINMA weist darauf hin, dass das Versicherungsjahr in der Privatversicherung nicht notwendigerweise am 31. Dezember endet.
Wer seine Krankenzusatzversicherung kündigen möchte, kombiniert drei Angaben: die ursprünglich vereinbarte Dauer, den jährlichen Ablauftermin und die Kündigungsfrist. Hinzu kommt der Schutz aus der Revision des Versicherungsvertragsgesetzes, die laut der Krankenkasse CSS am 1. Januar 2022 in Kraft trat: Ab dem dritten Jahr können Versicherte ihre Verträge beenden, selbst wenn eine längere Laufzeit vereinbart war.
Die Kündigungsfrist der Zusatzversicherung: drei Monate und der 30. September
Nach Comparis ist die Kündigung meist einmal pro Jahr möglich, mit einer Frist von in der Regel drei Monaten auf Ende des Kalenderjahres. Häufig fällt das Fristende deshalb auf den 30. September; je nach Versicherung kann die Frist aber länger sein. Eine Kündigung auf Ende Jahr muss damit spätestens Ende September eingehen. Atupri nennt es genauer: Die schriftliche Kündigung muss spätestens am letzten Arbeitstag im September beim Versicherer eintreffen, und entscheidend ist das Eingangsdatum, nicht das Versanddatum.
Die Kündigungsfrist der Zusatzversicherung hängt vom Produkt ab, auch innerhalb einer Kasse. Bei Atupri gilt für Mivita Reala, Denta, Comforta, Spital, die Reiseversicherung und das Taggeld VVG eine dreimonatige Frist zum Jahresende. Basic und Intense lassen sich dagegen nach einer Mindestdauer von zwölf Monaten auf jedes Monatsende kündigen, ebenfalls mit drei Monaten Frist: Eine Kündigung Ende März endet im Juni. Ein einziges Datum für alle Verträge gibt es nicht.
Mindestvertragsdauer und die Dreijahresregel nach Art. 35a VVG
Wann die erste Kündigung auf Ende Jahr möglich ist, bestimmt die Mindestdauer. In ihrem Artikel vom 9. September 2025 schreibt Comparis, bei vielen Kassen betrage sie ein Jahr, bei einzelnen Produkten aber drei, etwa bei Assura oder bei der Spitalzusatzversicherung von Concordia, und bei CSS oder Visana hänge sie vom Produkt ab. Solche Angaben ändern sich; verbindlich ist die eigene Police.
Eine lange Laufzeit mit Rabatt bindet allerdings nicht unbegrenzt. Nach Art. 35a VVG können Versicherte laut Comparis spätestens nach dem dritten Jahr kündigen. Die FINMA ergänzt, die Kündigung müsse schriftlich erfolgen, drei Monate Frist einhalten und auf das Ende des Versicherungsjahres wirken. Andere individuelle Vereinbarungen seien möglich, weshalb man den unterschriebenen Vertrag nochmals lesen sollte.
Form und Beweis bei der Kündigung der Krankenzusatzversicherung
Für die Kündigung der Krankenzusatzversicherung empfiehlt Comparis den eingeschriebenen Brief mit Sendungsverfolgung, weil allein der Tag zählt, an dem die Kasse den Brief erhält. Eine Kündigung per E-Mail ist nur möglich, wenn die Bedingungen es erlauben. Die CSS schreibt etwa, dass Abschluss und Kündigung auch per E-Mail oder über das Kundenportal myCSS erfolgen können. Lassen Sie sich in jedem Fall das Vertragsende schriftlich bestätigen.
Wer seine Krankenzusatzversicherung kündigen will, sollte den betroffenen Vertrag eindeutig bezeichnen: Policennummer, Produktname und gewünschtes Enddatum. Haben Sie mehrere Zusatzversicherungen bei derselben Kasse, nennen Sie die gekündigten ausdrücklich. Comparis hält fest, dass es vom Anbieter abhängt, ob sich nur die betroffene Police kündigen lässt.
Ausserordentliche Kündigung bei Prämienerhöhung, Schadenfall und Umzug
Die ausserordentliche Kündigung erlaubt den Austritt ausserhalb des üblichen Termins. Comparis nennt mehrere Fälle. Bei einer angekündigten Prämienerhöhung besteht in der Regel ein Sonderkündigungsrecht mit kurzer Frist, die je nach Versicherer Ende November, Ende Jahr oder einen Monat nach der Ankündigung ablaufen kann. Bei Atupri gilt ein Monat auf Monatsende, und die Kündigung muss vor dem Inkrafttreten der neuen Prämie erfolgen. Kein Recht besteht, wenn die Erhöhung auf persönlichen Umständen wie Umzug oder neuer Altersstufe beruht oder auf einer Änderung, die Sie selbst beauftragt haben.
Nach einem Schadenfall mit Leistung kann die versicherte Person kündigen, spätestens bis zur Auszahlung; die Kasse darf im Schadenfall nicht kündigen, was auch Moneyland bestätigt. Ist der Versicherer am neuen Wohnort nicht tätig, muss er den Vertrag beenden. Hat er schliesslich wesentliche Informationen wie Laufzeit oder Kündigungsfristen nicht mitgeteilt, ist nach Art. 3a VVG eine ausserordentliche Kündigung möglich, so Comparis.
Die Zusatzversicherung nicht kündigen, bevor die neue Police steht
Wer seine Krankenzusatzversicherung kündigen will, ohne eine neue zu haben, geht das grösste Risiko ein. Priminfo warnt, dass man danach nicht leicht eine andere abschliessen kann, besonders ab 55 Jahren oder bei schlechter Gesundheit. Die FINMA rät, mit der Kündigung zu warten, bis der neue Versicherer die Zusatzversicherung bestätigt hat, und Atupri verlangt dasselbe: erst kündigen, wenn die schriftliche Aufnahmezusage vorliegt.
Grund ist der fehlende Aufnahmezwang bei Zusatzversicherungen. Eine neue Kasse kann einen Gesundheitsfragebogen verlangen, Leistungen mit einem Vorbehalt ausschliessen oder den Antrag ablehnen. Die Prüfung dauert laut Atupri im Durchschnitt zwischen einem Tag und drei Wochen, deshalb sollte man den Antrag früh stellen. Ein von Atupri zitierter Experte sagt, viele Produkte nähmen bis 60 Jahre auf, einzelne bis 70. Ohne neue Police ist der Wiedereinstieg nur mit einer erneuten Gesundheitsprüfung möglich.
Offene Prämien und weitere Stolpersteine
Ausstehende Prämien erschweren den Austritt. Atupri verlangt in der Regel, dass alle Prämien bezahlt sind, bevor gekündigt werden kann; nach einer Mahnung mit 14 Tagen Frist ruht der Versicherungsschutz, und die Kasse kann den Vertrag kündigen. Wer offene Rechnungen hat, riskiert daher, dass der Wechsel scheitert.
Manchmal genügt auch ein günstigeres Modell bei derselben Kasse, ohne Gesundheitsprüfung, statt eines kompletten Ausstiegs. Die FINMA empfiehlt zudem, die Rechnungen zu prüfen und bei Abweichungen zu den tatsächlich erbrachten Leistungen beim Versicherer nachzufragen.
Die Zusatzversicherung kündigen und die Grundversicherung behalten
Wer die Krankenzusatzversicherung kündigen und die Grundversicherung behalten will, kann das tun: Beide Versicherungen sind unabhängig. Nach Atupri läuft die Zusatzversicherung weiter, wenn die Grundversicherung gekündigt wird. Ein Wechsel der Grundversicherung sagt über das Schicksal der Zusatzversicherung nichts, sie muss getrennt und nach ihren eigenen Fristen gekündigt werden. Bei einem Wegzug ins Ausland endet die Versicherungspflicht mit der Abmeldung in der Schweiz; dafür dient das Formular Abreise aus der Schweiz.
Nach dem Abschluss eines Vertrags gibt es laut Stiftung für Konsumentenschutz in der Regel eine Bedenkfrist von 14 Tagen, in der man ohne Verpflichtung zurücktreten kann. Die Stiftung rät ausserdem, eine jährlich kündbare Zusatzversicherung zu wählen.
Kontrollpunkte vor dem Versand der Kündigung
Die Police genau zu lesen, verhindert die meisten Fehler. Haben Sie die Daten gefunden, genügen diese Punkte zur Kontrolle:
- Ablaufdatum des Vertrags und noch laufende Mindestdauer.
- Genaue Frist und Eingangsdatum, das bei der Kasse einzuhalten ist.
- Schriftliche Aufnahmezusage der neuen Versicherung ohne unerwarteten Vorbehalt.
- Prämien des alten Vertrags bis zum Ende bezahlt.
- Schriftliche Bestätigung des Vertragsendes erhalten.
